Wer profitiert davon, wenn die Energiewende scheitert?
Wer Windkraftprojekte bekämpft, tut das aus unterschiedlichen Gründen. Doch bei manchen Argumenten lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Woher stammen sie und wem nützen sie?
Dass Russland versucht, die öffentliche Meinung in Europa zu beeinflussen und die Energiewende zu diskreditieren, ist keine blosse Vermutung. Die NATO hat entsprechende russische Desinformationsaktivitäten dokumentiert. Auch Untersuchungen aus europäischen Ländern zeigen, dass kremlnahe Netzwerke Kampagnen gegen Windenergie unterstützen oder mitprägen. Dabei werden unter anderem irreführende Behauptungen über Gesundheitsgefahren, Umweltschäden und die angebliche Unwirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien verbreitet.
Natürlich bedeutet das nicht, dass Windkraftgegner in der Schweiz im Dienste Russlands handeln. Viele Menschen engagieren sich aus ehrlicher Überzeugung für den Schutz ihrer Landschaft oder befürchten Nachteile für ihre Gemeinde. Diese Anliegen verdienen eine sachliche Auseinandersetzung und dürfen nicht einfach als Desinformation abgetan werden.
Dennoch sollten wir genau hinschauen. Wenn bei uns Argumentationsmuster auftauchen, die auch in dokumentierten ausländischen Desinformationskampagnen verwendet werden, ist es legitim, nach ihrer Herkunft zu fragen. Russlands Interesse ist offensichtlich: Je länger Europa auf Öl und Gas angewiesen bleibt, desto grösser bleibt der wirtschaftliche und politische Einfluss der Exporteure fossiler Energieträger. Der rasche Ausbau heimischer erneuerbarer Energien schwächt diese Abhängigkeit. Russland hat deshalb einen strategischen Grund, Zweifel an der Energiewende zu verstärken und ihre Umsetzung zu verzögern. Das sollte uns zu denken geben.
Ebenso bedenklich ist die Absurdität mancher – trotzdem unablässig wiederholter – Argumente. Zum Beispiel Infraschall: Die Menge Infraschall, der man in der Nähe eines Windrades in einem Jahr ausgesetzt ist, bekommt man in einem Auto auf der Autobahn in nur drei Stunden ab. Oder PFAS: Sie sind ein riesiges Problem, aber erwiesenermassen nicht das Problem der Windkraftwerke. Ganz abgesehen davon, dass die für Sevelen vorgesehenen Vestas-Windräder ab 2028 vollständig ohne PFAS gebaut werden. Und so weiter.
Gerade in einer direkten Demokratie müssen wir sorgfältig unterscheiden zwischen legitimer Kritik, unbelegten Behauptungen und gezielter Desinformation. Wir sollten deshalb die Herkunft und Stichhaltigkeit der Argumente prüfen. Denn wer die Energiewende verhindern will, sollte sich zumindest bewusst sein, wem das nützt – und welche Abhängigkeiten – z.B. von Öl und Gas aus Diktaturen – damit länger bestehen bleiben.
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