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BFE-Direktor Benoît Revaz: Energiepolitik ist Sicherheitspolitik

Im Inputreferat ordnete Benoît Revaz, Direktor des Bundesamts für Energie, die Windenergie in die Energiestrategie des Bundes ein – in Vertretung von Bundesrat Albert Rösti.

Benoît Revaz, Direktor Bundesamt für Energie (BFE)

Revaz sprach in Vertretung von Bundesrat Albert Rösti und ordnete die Windenergie in den Umbau des Energiesystems ein: Die Schweiz elektrifiziert Verkehr, Gebäude und Industrie, will ihre Klimaziele erreichen und sich von fossilen Energien lösen – dafür braucht sie möglichst viel Strom aus einheimischen erneuerbaren Quellen. Keine Technologie dürfe gegen eine andere ausgespielt werden; die künftige Versorgung ruht auf einem Mix, der sich gegenseitig ergänzt. Die besondere Bedeutung der Windenergie liegt im Winter: Zwei Drittel der Produktion fallen ins Winterhalbjahr, genau dann, wenn die Nachfrage steigt und die Versorgungssicherheit kritisch wird. Seit dem russischen Angriffskrieg sei klar: Energiepolitik ist Sicherheitspolitik – jede im Inland produzierte Kilowattstunde und jede zusätzliche erneuerbare Anlage reduziert die Abhängigkeit von Entwicklungen ausserhalb der Landesgrenzen.

Breiten Raum nahmen die beiden hängigen Volksinitiativen ein. Die Waldschutz-Initiative verlangt, dass keine neuen Windkraftanlagen im Wald und im Abstand von 150 Metern zu Wald und Waldweiden gebaut werden; eine Rückwirkungsklausel verlangt zudem den Abbau aller nach dem 1. Mai 2024 dort erstellten Anlagen auf Kosten der Ersteller – die Abstandsklausel kommt für Revaz einem Technologieverbot nahe. Die Gemeindeschutz-Initiative verlangt die Zustimmung von Standortgemeinde und besonders Betroffenen, auch nachträglich; ohne diese müssten Anlagen auf eigene Kosten zurückgebaut werden. Der Bundesrat lehnt beide Initiativen ab: Die Schutzinteressen des Waldes sind im geltenden Recht bereits gewährleistet, und die Mitsprache der Gemeinden wurde mit dem Beschleunigungserlass geregelt – Standortgemeinden müssen Projekten zustimmen, sofern das kantonale Recht nichts anderes vorsieht. Beide Initiativen werden nach der Herbstsession den zuständigen Kommissionen zur Beratung überwiesen.

Weitere Punkte: Das Stromabkommen mit der EU ist für den Bundesrat von grosser Bedeutung (die Schweiz ist über mehr als 40 grenzüberschreitende Leitungen mit den Nachbarländern verknüpft und gerade im Winter auf funktionierenden Austausch angewiesen) – es ersetzt aber den Ausbau der inländischen Produktion nicht; beides wird parallel verfolgt. Verfahren müssen schneller werden: Projekte, die 20 Jahre für Planung und Bewilligung brauchen, tragen nicht rechtzeitig zur Versorgungssicherheit bei – Beschleunigung heisst dabei nicht Abbau von Rechtsstaat oder Umweltstandards. Entscheidend bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz: Die Transformation lässt sich nicht gegen die Bevölkerung umsetzen; sie braucht Dialog, Transparenz und frühzeitigen Einbezug. Projekte entstehen nicht in Bern, sondern in den Kantonen, Gemeinden und Regionen – dort entscheidet sich, ob sie gelingen.

Aus der Fragerunde

Auf die Frage nach der Verunsicherung von Investoren durch laufende Kampagnen räumte Revaz ein, dass die Initiativen Unsicherheit schaffen, und verwies auf den Austausch mit der Branche. Zur These, dass weniger die lokale Akzeptanz als vielmehr national organisierte Einsprache-Organisationen Projekte verzögern, antwortete er: Umfragen zeigen grundsätzlich hohe Zustimmung; es gebe aber die Tendenz, Verfahren systematisch zu nutzen – deshalb müssten Verfahren klar sein und zügig zu einem Entscheid führen. Zu den Ausbauzielen stellte er klar, dass das BFE keine Kompetenz hat, Projekte zu bewilligen – es braucht die kantonalen Richtpläne und bewilligte Projekte in den Kantonen.

 

Teil 2 von 11 unserer Serie zur Nationalen Windenergietagung 2026. Zur Übersicht mit allen Beiträgen

Quelle und Programm: Nationale Windenergietagung 2026 – Suisse Eole

Diese Zusammenfassung wurde von Michael Hagmann mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz aus Tonaufnahmen und Präsentationsfolien erstellt und manuell geprüft. Einzelne Angaben können ungenau sein – massgebend sind die Originalunterlagen der Referierenden. Die Illustration wurde mit KI erstellt.

Über die Autorin / den Autor

Michael Hagmann

Michael Hagmann ist im Vorstand von Rückenwind Sevelen und betreut das Ressort Finanzen.
Er wohnt in Sevelen.

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