Axpo Energy Reports: Ohne Windkraft keine sichere Winterversorgung
Wie sichert die Schweiz ihre Stromversorgung im Winter? Marius Schwarz, Strategy Manager bei Axpo, stellte die Resultate der Axpo Energy Reports vor.
Marius Schwarz, Strategy Manager, Axpo
Die am 24. März 2026 publizierten Axpo Energy Reports (begleitet von einem parteiübergreifenden Advisory Board, externe Studien mit der ETH Zürich) beziffern die Winterlücke präzis: Die Stromnachfrage im Winterhalbjahr steigt von 36 TWh (2025) auf 45 TWh (2050), während die Erzeugung mit dem Kernenergieausstieg von 31 auf 20 TWh sinkt – bis 2050 müssen 25 TWh zugebaut werden. Vier Technologien können die Winterproduktion substanziell erhöhen (Wind, Kern, Solar, Gas), doch Winterbeitrag und Akzeptanz gehen nicht Hand in Hand: Wind führt mit 67 Prozent Winterstromanteil die Erneuerbaren an (Kernkraft 55, Dach-PV 27 Prozent).
Keine Technologie kommt in der Schweiz ohne Förderung aus – auf den Winterstrom umgelegt ist Wind aber mit Abstand am günstigsten: 46 Franken Förderbedarf je MWh Winterstrom gegenüber 81 für neue Kernkraft, 339 für Dach-PV und 61 für Freiflächen-PV. Die zwei durchgerechneten Szenarien («Erneuerbare + Gas» bzw. «Koexistenz» mit neuer Kernkraft, Zubaukosten 67,9 bzw. 52,7 Milliarden Franken bis 2050) enthalten beide rund 7 TWh Winterstrom aus Wind – der Windausbau ist gesetzt, egal welchen Weg die Schweiz wählt. Unabhängig vom Szenario empfiehlt Axpo vier Massnahmen: Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke sichern, Förderregime auf den Winter ausrichten, Windkraft-Ausbau beschleunigen (kantonale Umsetzung des Beschleunigungserlasses, mehr Eignungsgebiete, gesamtschweizerische Sicht) und marktaktive Gaskraftwerke ermöglichen. Sein Schlussbild: «Lasst uns einen gemeinsamen Stolz auf Windenergie entwickeln!»
Aus der Fragerunde
Intensiv diskutiert wurden die Kosten neuer Kernkraftwerke: Auf den Hinweis der Moderation, die Studie der Akademien der Wissenschaften rechne mit bis zu 43 Milliarden Franken, erklärte Schwarz, die Axpo-Annahmen seien mit jener Studie verglichen worden und lägen in ähnlicher Richtung; Bauzeitverzögerungen könnten die Kosten nochmals verdoppeln – die Hürden für neue Kernkraft in der Schweiz seien höher als für erneuerbare Projekte. Ein Hauseigentümer kritisierte die Darstellung einer «impliziten Förderung» des Eigenverbrauchs von Solarstrom. Ein ETH-Dozent für erneuerbare Energien warf der Studie methodische Fehler vor: Versicherungs- und Risikokosten der Kernenergie würden weggelassen und deren Preise unrealistisch tief angesetzt, während bei der Windkraft nur Mittelland-Standorte gerechnet worden seien – auf Lagen über 1'000 Metern zeigten Messungen (z. B. auf dem Chasseral-Gebiet seit 1993) rund 40 Prozent höhere Erträge; der Bund könnte morgen Ausschreibungen für Winterstrom machen. Auf die Frage, ob sich die Schweiz besser an Windparks im Ausland beteiligen solle, antwortete Schwarz, der Austausch mit Europa sei wichtig, ersetze aber die inländische Produktion und deren Beitrag zur Resilienz nicht.
Teil 5 von 11 unserer Serie zur Nationalen Windenergietagung 2026. Zur Übersicht mit allen Beiträgen
Quelle und Programm: Nationale Windenergietagung 2026 – Suisse Eole
Diese Zusammenfassung wurde von Michael Hagmann mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz aus Tonaufnahmen und Präsentationsfolien erstellt und manuell geprüft. Einzelne Angaben können ungenau sein – massgebend sind die Originalunterlagen der Referierenden. Die Illustration wurde mit KI erstellt.
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