Kanton Freiburg: Windmessungen bestätigen die Standortplanung
Der Kanton Freiburg geht einen ungewöhnlichen Weg: Er misst den Wind an allen Standorten seiner Richtplanung selbst – und legt sämtliche Daten offen. Serge Boschung vom kantonalen Energiedienst berichtete über die ersten Resultate.
Serge Boschung, Service de l'énergie du Canton de Fribourg
Der Kanton Freiburg ist bei der Windenergie seit den 2010er-Jahren durch heftige Opposition praktisch blockiert; gegen die kantonale Windplanung mit sieben Standorten (Richtplan 2020 vom Bundesrat genehmigt) wurde unter anderem der Vorwurf erhoben, die Standortwahl sei nicht sauber zustande gekommen. Der Grosse Rat reagierte mit zwei Aufträgen: einem Steuerungsausschuss («COPIL éolien», Auftrag 2022-GC-63), der die Windplanung überprüft, und realen Windmessungen an allen sieben Richtplan-Standorten (Auftrag 2023-GC-172).
Die Messkampagne läuft seit Februar 2025 (Meteotest AG, öffentliche Ausschreibung, rund 280'000 Franken pro Messmast): Masten von rund 100 Metern mit Anemometern auf mehreren Höhen, ergänzt durch LiDAR-Messungen bis über 150 Meter. Bemerkenswert ist die vollständige Transparenz: Die Messwerte werden alle 10 Minuten erfasst und täglich auf www.fr.ch/de/freiburg-wind publiziert (inkl. Rohdaten), und pro Standort erstellt Meteotest einen Analysebericht mit Produktionsschätzung samt Unsicherheits- und Vereisungsanalyse.
Die Resultate der zwei abgeschlossenen Standorte bestätigen die Planung: Billens-Hennens – Côte du Glâney mass 5,21 m/s auf 100 m und 5,82 m/s auf 150 m (Windatlas 2019: 5,3 bzw. 5,7) – die Ertragsprognose für eine Enercon E138 liegt bei 8'521 MWh/Jahr (100 m Nabenhöhe) bzw. 10'267 MWh/Jahr (150 m, Kapazitätsfaktor 27,5 %), im oberen Bereich der real laufenden Schweizer Parks; Surpierre-Cheiry mass 4,95 bzw. 5,46 m/s – die Windqualität ist auch dort bestätigt. Vier weitere Standorte (Gibloux, Schwyberg, Collines de la Sonnaz, Autour de l'Esserta) werden derzeit gemessen; bei Monts de Vuisternens wurde mangels geeigneter Position verzichtet. Die Meteotest-Expertise zu den Winddaten der ursprünglichen Planung fand zudem keine Fehler, die die Standortwahl in Frage stellen könnten – kein nachgewiesener Interessenskonflikt; eine zweite Expertise (EBP) zu den Ausschlusskriterien ist gezeichnet, aber noch nicht publiziert.
Aus der Fragerunde
Ob nun tatsächlich gebaut wird? Boschung zeigte sich überzeugt, betonte aber, zuerst müsse das Vertrauen der Gemeinden und der Bevölkerung zurückgewonnen werden – zwischen 2010 und 2017 wurden mehrere Projekte unter massivem Druck aufgegeben. Mit den nun vorliegenden, transparenten Daten lasse sich zeigen, dass die Behörden sauber gearbeitet haben und zentrale Argumente der Opposition unbegründet waren. Auf die pointierte Frage, ob die Rechnung den Zweiflern am ursprünglichen Bericht zugestellt werde, bezifferte er die Kosten, die die Opposition den Kanton seit 2020 verursacht hat, auf einen Millionenbetrag (Grössenordnung 2–3 Millionen Franken). Die Messdaten stehen allen offen; Projektentwickler müssen für konkrete Projekte allenfalls eigene, ergänzende Messungen durchführen.
Teil 4 von 11 unserer Serie zur Nationalen Windenergietagung 2026. Zur Übersicht mit allen Beiträgen
Quelle und Programm: Nationale Windenergietagung 2026 – Suisse Eole
Diese Zusammenfassung wurde von Michael Hagmann mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz aus Tonaufnahmen und Präsentationsfolien erstellt und manuell geprüft. Einzelne Angaben können ungenau sein – massgebend sind die Originalunterlagen der Referierenden. Die Illustration wurde mit KI erstellt.
Newsletter abonnieren
Melde dich für den Sevler Rückenwind Newsletter an.
Hinweis: du bekommst eine e-Mail, mit der du die Anmeldung bestätigen kannst.