Studie: Über 99 Prozent der Vögel weichen Windrädern aus
Wie gefährlich sind Windräder für Zugvögel wirklich? Jorg Welcker von BioConsult SH präsentierte eine grosse empirische Studie aus Deutschland.
Jorg Welcker, BioConsult SH GmbH & Co. KG
Welcker präsentierte eine grosse empirische Studie aus Deutschland zum tatsächlichen Kollisionsrisiko von Vögeln an Windenergieanlagen. Der methodische Kern: die Kombination von Radar (lückenlose Erfassung aller Flugbewegungen im Rotorbereich, Tag und Nacht) mit modernen Kamerasystemen (Identifikation der Arten und direkte Detektion allfälliger Kollisionen) über einen Zeitraum von zwei Jahren – ergänzt um klassische Kadaversuchen. Damit lässt sich erstmals das Verhältnis zwischen der enormen Zahl an Flugbewegungen und den tatsächlichen Kollisionen direkt messen, statt es nur zu modellieren.
Die Resultate (Projekt «VolZug», Mai 2023–November 2024, «Windtestfeld Nord» bei Husum): Auch bei starkem Vogelzug waren Rotordurchflüge selten, insbesondere bei drehenden Rotoren – bei stillstehenden Anlagen durchquerten rund 15-mal mehr Vögel die Rotorebene. Über 99 Prozent der Vögel wichen aus, tags wie nachts: Die gemessene Meiderate beträgt 0,9987, deutlich höher als die in Modellen übliche Annahme von 0,98 – mit der Folge, dass gängige Prognosen das Kollisionsrisiko rund um den Faktor 10 überzeichnen (Modell mit Meiderate 0,98: 1'158 prognostizierte Opfer; empirisch aus Opfersuchen: rund 100). Zudem zeigte sich kein deutlicher Zusammenhang zwischen Zugintensität und Rotordurchflügen – starker Vogelzug bedeutet nicht automatisch hohes Risiko; Abschaltungen allein auf Basis der Zugintensität erscheinen darum nicht effektiv, wirksamer sind bedarfsgerechte, detektionsbasierte Ansätze.
Aus der Fragerunde
Zur Übertragbarkeit auf die Schweiz: Die Studie stammt aus einem anderen Landschaftsraum; Standorte mit anderen Artenspektren (z. B. alpine Lagen) haben ein anderes Risikoprofil, weshalb die Resultate nicht eins zu eins übertragen, die Methodik (Monitoring plus gezielte Massnahmen) aber sehr wohl angewendet werden kann. Nachfragen galten der Statistik (u. a. rund 8'000 Kamera-Beobachtungsstunden, Validierung der Radardaten durch Video) und dem Nachweis von Einzelkollisionen. Positiv sei die Wirkung solcher Studien auf die Akzeptanzdebatte, wie sich in Deutschland zeige.
Teil 10 von 11 unserer Serie zur Nationalen Windenergietagung 2026. Zur Übersicht mit allen Beiträgen
Quelle und Programm: Nationale Windenergietagung 2026 – Suisse Eole
Diese Zusammenfassung wurde von Michael Hagmann mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz aus Tonaufnahmen und Präsentationsfolien erstellt und manuell geprüft. Einzelne Angaben können ungenau sein – massgebend sind die Originalunterlagen der Referierenden. Die Illustration wurde mit KI erstellt.
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