Repowering Lomont: Dreimal mehr Strom mit gleich vielen Windrädern
Wie Wald und Wind zusammenpassen, zeigte Laurent Kientzel von ERG am Beispiel des Windparks Lomont im französischen Jura – nur rund 18 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt.
Laurent Kientzel, ERG Développement France
ERG ist ein italienisches Industrieunternehmen (gegründet 1938, ursprünglich im Erdölgeschäft, heute vollständig auf erneuerbare Energien ausgerichtet), das in Frankreich als Entwickler, Bauherr und Betreiber auftritt und alle Projektphasen abdeckt. Der Windpark Lomont liegt in der Bourgogne-Franche-Comté auf den Jurakämmen des Lomont, nur rund 18 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, auf 600 bis 800 Metern Höhe in überwiegend bewaldetem Gelände – es war der erste Windpark der Franche-Comté, und er wurde nun als erster der Region einem vollständigen Repowering unterzogen.
Der Park umfasst insgesamt 10 Anlagen à 2 MW (Betrieb seit 2008); seit 2017 sind ERG France und EDF Renouvelables Miteigentümer – ERG erneuert seine 5 Anlagen im Westteil, EDF plant parallel die Erneuerung des Ostteils («Lomont Est»). Die Leitlinien des ERG-Repowerings: gleiche Anzahl Anlagen, maximale Wiederverwendung der bestehenden Erschliessung, Beibehaltung der Aufteilung auf Gemeinden und Grundeigentümer (Pachterträge) und enge Zusammenarbeit mit den Dörfern; die zusätzliche Rodung beschränkt sich auf 1,36 Hektaren, die alten Fundamente werden vollständig zurückgebaut. Technisch: Leistung pro Anlage von 2 auf 4,5 MW (+125 Prozent), Rotordurchmesser von 90 auf rund 140 Meter, Gesamthöhe von 125 auf 180 Meter – die Jahresproduktion steigt von 21,5 auf 62 GWh (+188 Prozent), Strom für 44'000 statt 16'000 Personen. Die Bewilligung wurde am 7. Dezember 2023 erteilt – ohne eine einzige Einsprache, nach früher Konzertation (Lenkungsausschuss, freiwillige öffentliche Vor-Anhörung bereits 2020).
Zur Governance: ein Steuerungsgremium mit den betroffenen Gemeinden, der staatlichen Forstverwaltung (ONF) und den Waldeigentümern; frühzeitige Vorstellung des Projekts bei den staatlichen Diensten; Fotomontagen von über 75 Standpunkten in der Umweltstudie; und – obwohl rechtlich nicht verlangt – eine freiwillige öffentliche Auflage (Dezember 2021). Der Ablauf: Studien und Flächensicherung 2021, Instruktion und Bewilligung anschliessend, Baubeginn mit den Holzarbeiten im Februar, Demontage der Altanlagen im März/April 2026; die Anlagen wurden verkauft bzw. Komponenten der Verwertung zugeführt, der Rückbau der alten Fundamente steht noch aus. Begleitmassnahmen: Bauzeitfenster zum Schutz der Fauna, Kontrolle der Bäume auf Fledermausquartiere vor der Fällung, kamerabasierte Vogelerkennung mit künstlicher Intelligenz und automatischer Abschaltung, Fledermaus- und Lärm-Abschaltalgorithmen, ökologische Aufwertungen (u. a. rund 3 Hektaren) und Beiträge an lokale Projekte.
Aus der Fragerunde
Ob die Windräder dem Wald schaden? Nein – in der langjährigen Betriebszeit des ursprünglichen Parks gab es keine derartigen Probleme. Zum Lärm: Die neuen, grösseren Anlagen sind dank gezahnter Hinterkanten (Serrations), besserer Getriebe und gezielter Betriebsmodi kaum lauter wahrnehmbar; die Anlagen nahe beim Dorf können in kritischen Windrichtungen gedrosselt werden. Das grösste Ausbauhemmnis in Frankreich seien heute Luftfahrt- und Militärradar-Restriktionen: Schutzradien um Radare wurden von 40 auf 70 Kilometer ausgeweitet; beim Lomont konnte immerhin die Begrenzung der Spitzenhöhe (165 Meter) für zwei exponierte Anlagen angepasst werden.
Teil 9 von 11 unserer Serie zur Nationalen Windenergietagung 2026. Zur Übersicht mit allen Beiträgen
Quelle und Programm: Nationale Windenergietagung 2026 – Suisse Eole
Diese Zusammenfassung wurde von Michael Hagmann mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz aus Tonaufnahmen und Präsentationsfolien erstellt und manuell geprüft. Einzelne Angaben können ungenau sein – massgebend sind die Originalunterlagen der Referierenden. Die Illustration wurde mit KI erstellt.
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